Wirklich immer ADHS/ADS?

KONZENTRUM darf auf dieser Seite eindringlich zur Vorsicht mahnen: 

Nicht jedes unaufmerksame, zappelige Kind ist hyperaktiv bzw. hat ADHS! Vielleicht ist es eben nur sehr verspielt, lebendig, lebhaft und reizoffen oder eben oft »unkonzentriert«. Auch kann das Verhalten ganz andere, vielfältige Ursachen haben. Und die können natürlich auch sehr stark mit dem sozialen Umfeld, eben den Bedingungen in der Kernfamilie zusammenhängen (siehe hier). Ein bekannter deutscher Psychologe, Hans-Reinhard Schmidt (Bonn), formuliert es so: »Häufig diagnostizieren Ärzte ADHS bei Kindern, die eigentlich unter anderen Problemen leiden. Ein Teil hat Entwicklungsverzögerungen oder Wahrnehmungsstörungen, zum Beispiel Legasthenie, Dyskalkulie, Probleme mit dem Gehör oder dem Gesichtssinn oder psychomotorische Störungen.«

Gerade für solche Kinder und Jugendliche bieten sich unter Berücksichtigung des multimodalen Ansatzes manch eine alternative Therapie an: Hochwertige Nahrungssupplemente, wie bestimmte Omega 3- und -6- Fettsäuren konnten in Studien ihre Wirksamkeit beweisen. Ein mit diesen Fettsäuren gut versorgtes Gehirn ist eine der Voraussetzungen für eine regelrechte Aufmerksamkeitsleistung. Denn im Gehirn sind diese Fettsäuren unerlässlich für Aufbau der Zellmembranen und Regulation der Hirnfunktion. Daraus ergeben sich leistungssteigernde Effekte für die Nervenzellen. Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen haben oft verminderte Omega-Fettsäurespiegel im Blut. Auch tierbegleitete Therapien, sensorische Integration und vor allem Psycho-Education werden hier eingesetzt (siehe hier).

Dies ist besonders wichtig, wenn der Symptom-Cluster in seinem gesamten Erscheinungsbild zu Verwechslungen führen kann. Wie zum Beispiel beim nachfolgend beschriebenen…

ODD – Oppositionellen Trotzverhalten

Häufig wird durch das Wahrnehmen von ADHS-typischen Symptomen und Verhaltensweisen dieses klassische Erscheinungsbild mit dem so genannten ODD-Syndrom (oppositionellem Trotzverhalten) verwechselt. Doch dies ist weder erblich noch körperlich bedingt, und kann daher nicht als prädisponiertes »Defizit« bezeichnet werden. ODD ist ausschließlich psychosozial bedingt, wird also erst durch die Lebenswelt des Kindes ausgelöst und kann daher nur psychologisch betreut werden.

Ein »Oppositionelles Trotzverhalten«, bei welchem ebenfalls innere Unruhe, Unaufmerksamkeit, begleitend aber vor allem dissoziale Verhaltensweisen wie Lügen, kleinere Diebstähle oder aggressives Verhalten gegenüber anderen zu beobachten ist, kommt bei einer großen Zahl von Kindern im Verlauf ihrer Entwicklung vorübergehend vor, ohne dass von einer schwerwiegenden Verhaltensstörung gesprochen werden kann. Beinahe 80% aller Kinder zeigen bis zum Ende des 12. Lebensjahres irgendwann in der Interaktion mit Gleichaltrigen aggressive Verhaltensweisen wie Treten, Beißen oder Schlagen. Wenn das Wegnehmen von Spielgegenständen hinzu­genommen wird, erhöht sich die Zahl auf über 90%.

Doch im Verlauf der Entwicklung gelingt es der Mehrzahl unter adäquater An­leitung und durch kompetente Erziehung ihre aggressiven und antisozialen Impulse immer besser zu kontrollieren. Das ist dann auch ein zentraler Aspekt der so genannten Sozialisation und intrapsychischen Reifung.

Wenn dies jedoch nicht in den Griff zu bekommen ist, sich ständig wiederholt oder gar zum andauernden Muster von dissozialen, aggressiven oder oppo­sitionell-aufsässigen Verhaltensweisen wird, dann spricht man von einer Störung des Sozialverhaltens, deren Prognose (Heilungsaussichten) umso schlechter ausfällt, je früher sie beginnen und desto erfolgloser sie – wenn überhaupt – behandelt werden können. Dann droht mit hoher Wahrscheinlich­keit eine chronische Störung, die nicht selten in delinquenten Handlungen endet. Und damit ist das soziale Schicksal fast besiegelt. Genau in diesen Fällen spricht man eben nicht von ADHS sondern von ODD.

Der entscheidende Unterschied zwischen dem eben beschriebenen oppositionellem Trotzverhalten und einem ADHS besteht also darin, dass ODD zur Gänze sozialisiert ist (siehe weiter oben), man also keinesfalls von einer Prädisposition oder Vulnerabilität in irgendeiner Form sprechen kann.

Schwierig für Bezugspersonen, Diagnostiker und Therapeuten ist aber natürlich jene Grauzone, die sich durch ein Verschwimmen der Symptome zwischen eindeutig zuordenbaren Krankheitsbildern ergibt.

Erschwert wird die Zuordnung  und verlässliche Diagnostik noch durch  die verschiedenen Ausprägungsgrade bei beiden Symptom-Clustern.